Slam Night

2018

Intro
Schreiben bedeutet Gedanken fließen
Also lasst uns hier genießen
Auf der Bühne sind Gedanken
Die sich um uns’re Herzen ranken
Wir schrieben sie mit Herz und Blut
Und stehen hier mit ganz viel Mut
Zögerlich fingen wir erstmal an,
die meisten fanden Gefallen daran

Nicht jeder liebt Geschichtenschreiben
Geschweige denn Gedichte reimen
Dennoch stehen sie heute hier
Brachten alle ’was zu Papier.

Schreiben bedeutet sich fallen zu lassen
Keinen festen Gedanken zu fassen
Ein Ort, wo keine Regel ist
Wo du sein kannst, wie du bist
Ein Therapeut in der großen Not
Wenn du siehst nur noch Rot.

Schreiben kann befreiend sein
Also laden wir euch herzlich ein
Hört gut zu und seid dabei
Fühlt euch heute Abend frei!

 

Gedicht: Vier Elemente

Wasser. Wasser gefriert, so wird es zu Eis,

dehnt sich aus, streckt seine Glieder.

Es verdampft, wird es zu heiß,

kommt jedoch als Regen wieder.

Feuer. Feuer kann gefährlich sein,

drum lass ich mich mit Vorsicht ein.

Feuer, das ist sanfte Glut,

doch auch Brände in heller Wut.

Luft. Ohne Luft kann ich nicht sein,

ich atme aus und atme ein.

Luft ist, wo der Himmel lacht,

und in den Wolken der Donner kracht.

Erde. Auf der Erde kann ich stehen,

vieles kann in ihr geschehen.

Vieles wächst aus ihr heraus

Wie ein großer Blumenstrauß.

Wasser, Feuer, Luft und Erde,

wie die Welt wohl ohne sie wäre?

 

Poetry Slam: Ich bin ich

Wisst ihr, ich bin ein Mensch, der ziemlich faul ist, der ewig braucht um aus dem Bett zu  kommen und der sich dann abhetzt, um noch rechtzeitig zu kommen. Ich vergesse auch viele Dinge, das weiß ich, das muss man mir eigentlich nicht noch sagen, aber mir wird trotzdem immer wieder gesagt, warum änderst du deinen Ablauf nicht oder geh’ doch früher ins Bett, um dich am nächsten Morgen nicht abhetzen zu müssen. Halt dies, das, was aber irgendwie nicht hängen bleibt. Wie heißt es nochmal in dieser einen Radiowerbung: Geht ins Ohr, bleibt im Kopf – nee man, absolut nicht! Dann sag ich ja, hm, da hast du recht, dass es sinnvoll wäre, meinen Ablauf umzustellen. Aber, wie gesagt, die Betonung liegt auf WÄRE.

Genauso bin ich ein Mensch, der gerne, wenn man etwas gegen mich sagt, auch eine Antwort darauf gibt. Wie zum Beispiel: Du kommst um die Ecke mit, ich sei ja so dumm. Hm, ja, dann sag’ ich gerne ja, aber mal ganz ehrlich, du bist die Person, die das am besten beurteilen kann, weil du dich jeden Morgen im Spiegel siehst.

Ja ja, ich weiß, ist nicht wirklich nett, aber wo bleibt denn der ganze Spaß im Leben, wenn man zu verklemmt ist, um Humor zu verstehen. Man muss nicht immer so ernst sein, man muss ausgeglichen sein und dazu gehört auch Spaß. Und da das meine Meinung ist, spricht meine Meinung für alle, da ich immer recht hab’. Ne Spaß. Jeder soll seine eigene Meinung haben und die auch vertreten dürfen. Wenn du anderer Meinung in einem bestimmten Thema bist, dann mach’ den Mund auf und sag’ das und schließ’ dich nicht immer der Mehrheit an. So wird man nicht wirklich glücklich oder zufrieden, wenn man sich einredet, dass die Meinung der anderen richtig ist. Jaaa, hmmm, eigentlich weiß ich nicht mehr wirklich, was ich schreiben soll, weil es irgendwie schon null Uhr ist und morgen ist der Tag, an dem ich den Poetry Slam fertig haben muss. Und bevor jemand fragt, warum es grade null Uhr ist während ich das hier schreibe, ja, ich hab’ vergessen, dass wir einen Poetry Slam zu morgen schreiben sollten. Oh, Moment, ich hab noch ’was vergessen zu sagen. Bleib’ wie du bist. Ich bin ich und du bist du.

 

Sonett: Herbst

Ich sah dich heut’ im Bette liegen

Und draußen viele Blätter fliegen.

Sie kommen von weit her,

es werden immer mehr.

Bald ist der Boden ganz bedeckt

Und wird der Herbst nun geweckt!

Draußen wird es immer kälter

Und das Jahr wird immer älter.

Der Winter rückt immer näher ran,

Oh! Ich mag gar nicht denken dran.

Weihnachten kommt schon so bald!

Ich steh’ im Wald,

der Wind ist laut, die Blätter fliegen

und ich möcht’ in deinem Bette liegen.

 

Kurzgeschichte: Ausgeschlossen

Wie jeden Tag ging er seine Strecke. Durch die Stadt, an einem Park vorbei an dem kleinen See wo er als Kind gerne gespielten hat, ein Ort, den er früher mit Glück in Verbindung brachte. Viel Neues war auf seinem Schulweg gebaut worden, schöne Gebäude, neue Wege, aber es gab einiges, was nicht mehr da war, es war weg, zerstört zu Grund und Boden und wieder aufgebaut, um vor den folgenden Generationen zu vertuschen, welch schreckliche Ereignisse sich hier abspielten. Er beeilte sich, um den Blicken zu entweichen, die ihn trafen, ihn verurteilten und nie in Ruhe ließen. Auch in der Schule vermied er den Kontakt, so wie es seine Mitschüler mit allen seiner Art tun.

Aber die Zeiten waren doch vorbei, dachte er immer wieder.

Der Geschichtsunterricht fing an. Wie immer wurden die gleichen Themen angesprochen, alles kam wieder hoch, es gab keine Chance, das alles zu vergessen, die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Die Zeiten waren doch vorbei, dachte er, langsam sollten die Themen Vergangenheit sein. Aber es war ausgeschlossen. Niemand würde so schnell darüber hinwegsehen, was geschehen war, keiner konnte es ignorieren und noch immer wurde man für das verurteilt, was man war, wer man war.

Die Stunde kam ihm ewig vor, immer wieder starrte er die Uhr an, wie der Zeiger immer weiter zog.

Immer wieder durchbohrten ihn die Blicke seiner Klassenkameraden, auch in den Gängen treffen ihn alle Augen, immer mit Blick auf seine Jacke gerichtet. Noch immer hatte er die Nähte auf seiner Jacke. Das Geld für eine neue Jacke hatten sie nicht, alles hatten sie verloren.

Ich kann mich glücklich schätzen, noch am Leben zu sein, auf die Schule gehen zu können, versuchte er sich immer wieder einzureden.

Dennoch merkte er, dass alles andere als Glück in ihm aufkam.

Er lebte in einer heruntergekommenen kleinen Doppelhaushälfte, neben Leuten die genauso waren wie er. Seine kleine Schwester war gerade mal halb so alt wie er. Viel konnte sie nicht mehr wissen von dem, was passiert war, überlegte er, während ich hingegen immer wieder die gleichen Bilder vor Augen habe.

Seine Mutter starb, sie starb an den Folgen der Grausamkeit, als einzige aus der Familie hatte sie nicht überlebt.

Papa, fragte er, ich werde immer noch angestarrt. Er überlegte was er sagen sollte.

Ich weiß mein Sohn, es ist nicht leicht so zu sein wie wir, aber behalte immer  im Hinterkopf, dass du etwas ganz Besonderes bist. Wieder überlegte er. Aber es kam nichts, eine leere Stille kam über den Raum.

Seine Worte brachten ihn zum Nachdenken, sie wirbelten durch seine Gedanken bis er einschlief.

Als er am nächsten Tag zurück aus der Schule kam, saß der Vater am Tisch mit einem Paket in der Hand. Es waren noch 10 Tage bis Weihnachten.

Ist das für mich? fragte er sich.

Sein Vater drückte ihm das Geschenk in die Hand, woraufhin er es auspackte. Es war eine neue Jacke, eine ohne die Nähte, die jeder anstarrte, ihm kamen Tränen in die Augen vor Freude. Danke Dad, sagte er mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Endlich hatte er die Chance neu anzufangen, ohne die Vorurteile, ohne die Nähte auf seiner Jacke.

Der Weg zur Schule war anders, aber im Guten, er bekam keine finsteren Blicke zugeworfen, niemand schaute ihm hinterher oder spuckte ihm vor die Füße. Das erste Mal seit langem, ging er diesen Weg und war froh, ihn zu gehen und wohin er führte.

In der Schule aber wollte immer noch keiner mit ihm reden. Er bekam weiterhin diese Blicke zugeworfen.

Nach dem Unterricht zog er seine Jacke an, es waren Nähte auf seiner rechten Schulter. Nähte in Form eines Sternes. Eine Gruppe Jungs ging stolz an ihm vorbei, sie lachten, taten das, was sie immer taten. Sie stellten ihn bloß. Mit dem weiterhin stolzen Schritt liefen sie an ihm vorbei und hoben den rechten Arm, mit einem weiteren Lachen verließen sie das Klassenzimmer.

Die Zeiten waren doch schon vorbei, dachte er.

 

Poetry Slam: Du und Ich

Erwartungen,

Ansprüche,

Urteile,

Ausreden,

Ausflüchte,

Ausreden,

Urteile,

Ansprüche,

Erwartungen

Wie leben in einer Welt voll von diesen Dingen,

wir sind ihnen tagtäglich ausgesetzt,

wir werden mit ihnen konfrontiert.

Doch warum haben wir Erwartungen?

Warum Ansprüche?

Warum urteilen wir?

Warum suchen wir Ausreden?

Oder warum flüchten wir?

Vielleicht ist es Angst?

Die Angst nicht dazuzugehören,

Angst die anderen erwarten zu viel von einem,

Angst den anderen nicht zu gefallen

oder den Ansprüchen anderer nicht gerecht zu werden.

Fällt euch was auf?

Richtig: die anderen.

Wie wäre alles ohne die anderen?

Denn im Moment erwarten wir, was die anderen erwarten.

Und wir urteilen, wie die anderen urteilen

Und warum?

Um einen Platz zwischen diesen sieben Milliarden anderen zu finden.

Doch wenn wir erwarten und urteilen, sind wir die anderen für die anderen wegen der anderen.

Also gefall´ dir doch einfach selber und denk´ an dich

Das bist nämlich du und das bin ich.

 

Poetry Slam: Du

Du. Jeder Mensch hat jetzt eine andere Person im Kopf. Und DU bist die Person für mich. Du bist der Engel auf Erden, der Engel ohne Flügel. Ein Mensch, der alles schafft. Einer, der alles hinbekommt und echt vieles rafft, für alles eine Lösung hat, mir hilft und für mich da ist, mit mir Eis und Schokolade isst, wenns mir schlecht geht. Mich in den Arm nimmt und traurige Filme guckt, auch wenn ich sage, dass mich der ganze Scheiß nicht juckt, Du kennst mich und alles von mir, wenn Du es brauchst, helf’ ich auch dir. Es beruht vieles auf Gegenseitigkeit. Du hörst sie, meine Stimme, wenn sie schreit. Du kommst zu mir und fragst „Was’ los?“, doch meine Worte sind festgewachsen wie Moos. Und die einzige, die ich jetzt noch sehen will bist DU.

Jetzt weg von dem ganzen traurigen Kram. Du bringst mich zurück auf die fröhliche Bahn. Mit Dir hat man Spaß, mit dir kann man lachen und auch echt viel Dummes machen.

Ich liebe es, mit dir shoppen zu geh’n, oder auch in den Urlaub zu fahr’n. Ob mit dem Fahrrad unterwegs oder einen Tag auf der Couch, ich verbringe gern Zeit mit Dir. Ohne Dich könnt’ ich nicht leben, denn ein Leben ohne Dich will ich mir nicht geben.

Ich danke Dir für alles und drücke dich ganz feste, denn MAMA Du bist einfach die Beste!

 

Gedicht: Der Baum

Die Zeit geht weit zurück, der Baum weiß Bescheid.

Er steht dort auf der Wiese schon ’ne ganz schön lange Zeit.

Er kennt all die Kriege und selbst die Zeit davor

Und auf seinen Ästen singen die Vögel laut im Chor.

Bei Regen sind die Kinder zum Schutz zu ihm gerannt

Und an seine Äpfel ist nicht jeder ’ran gelangt.

Seine Krone ist so groß und mächtig

Ach! Im Frühling blühte sie so prächtig.

Aber auch er wird langsam schlapp, denn seine Zeit läuft ab.

Jetzt ist er morsch und es fehlen ihm die Blätter.

Schon lang wartet er auf seinen Retter.

Dem Baum fallen all seine Äste ab,

Die Zeit ist einfach davongelaufen.

Am Schluss bleibt von ihm nichts als ein großer – Haufen.

 

Poetry Slam: Musik

Musik kann alles sein, alles verkörpern. Musik wird ausgelebt, mit Seele und Wörtern.

Musik hat diese Kraft, uns alle zu verbinden. Sie durchdringt Sprache und Kultur und zeigt uns unsere wahre Natur.

Musik kennt alle Emotionen, ob Wut oder Trauer, Kummer oder Glücklichkeit. Sie alle finden einen Platz in ihr, und nicht nur mir ist bewusst, dass Emotionen wichtig sind für die Lebenslust.

Musik kann entschärfen oder verschärfen, die Emotionen, die wir in uns entwerfen. Sie hat die Macht, uns glücklich zu machen und Schmerz zu ertragen, solange andere das nicht hinterfragen und uns sagen wir hätten kein Rhythmusgefühl oder Talent, aber es geht doch in erster Linie um das, was in uns brennt.

Musik kann alles sein, alles verkörpern. Musik wird ausgelebt, mit Seele und Wörtern.

Schon Mozart hat gesagt, dass ohne Musik alles nichts ist. Drum‘  lasst die Welt erbeben und die Musik in uns leben!